Hüftschmerzen beim Sport: Ursachen erkennen und behandeln

Ziehen in der Leiste, Schmerzen an der Hüftaussenseite oder Beschwerden nach dem Laufen: Was dahinterstecken kann und welche Behandlungen helfen.

Läuferin hält sich nach sportlicher Belastung den unteren Rücken und die Hüftregion.

Ein Stechen in der Leiste bei Kniebeugen, Schmerzen an der Hüftaussenseite beim Joggen oder ein Ziehen nach dem Training: Hüftschmerzen nach dem Sport sind nicht immer Zeichen einer Verletzung. Häufig sind Muskeln oder Sehnen überlastet. Bei manchen Beschwerden ist jedoch eine ärztliche Abklärung nötig. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Ursache ab.

Woran erkenne ich Hüftschmerzen beim Sport?

Die Schmerzen können dumpf oder stechend sein, einseitig oder beidseitig auftreten und während der Belastung oder erst Stunden später beginnen. Für eine erste Einordnung können Sie prüfen, wo die Beschwerden sitzen:

  • Aussen an der Hüfte: Häufig sind die Sehnen der Gesässmuskulatur gereizt. Auch seitliches Liegen kann schmerzen.
  • Vorne in der Leiste: Möglich sind Beschwerden am Hüftbeuger (Iliopsoas), an den Adduktoren oder im Hüftgelenk selbst.
  • Hinten im Gesäss: Schmerzen können aus der Gesässmuskulatur, dem Iliosakralgelenk oder der Lendenwirbelsäule stammen.

Der Schmerzort liefert Hinweise, ersetzt aber keine Untersuchung. Ein Selbsttest kann die Ursache nicht zuverlässig feststellen.[1]

Die häufigsten Ursachen für Hüftschmerzen beim Sport

Oft beginnt das Problem nach einer ungewohnten Belastung oder einem raschen Trainingsanstieg. Muskelzerrungen und Sehnenreizungen kommen ebenso infrage wie Beschwerden am Tractus iliotibialis, dem kräftigen Sehnenzug an der Oberschenkelaussenseite. Selten steckt eine Stressfraktur des Oberschenkelhalses dahinter.[1,2]

Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica)

Schmerzen über dem grossen Rollhügel (Trochanter major) werden häufig als Schleimbeutelentzündung bezeichnet. Typisch sind Druckschmerzen, etwa beim Liegen auf der Seite oder beim Treppensteigen. Oft ist allerdings die Sehne der seitlichen Gesässmuskulatur beteiligt, manchmal sogar ohne entzündeten Schleimbeutel. Fachleute fassen diese Beschwerden unter dem Begriff Greater Trochanteric Pain Syndrome zusammen.[3]

Hüftimpingement (FAI)

Beim femoroacetabulären Impingement kann es durch die Form von Hüftkopf und Gelenkpfanne bei bestimmten Bewegungen zu einem vorzeitigen Kontakt kommen. Auch das Gelenklabrum, ein Knorpelring an der Hüftpfanne, kann betroffen sein. Typisch sind Leistenschmerzen beim tiefen Beugen oder Drehen der Hüfte. Ein Hüftimpingement lässt sich nicht allein anhand eines schmerzhaften Bewegungstests feststellen. Für die Diagnose sind Beschwerden, klinische Untersuchung und Bildgebung erforderlich.[4]

Coxarthrose (Gelenkverschleiss)

Bei einer Hüftarthrose verändern sich Knorpel und andere Gelenkstrukturen. Häufig sind Anlaufschmerzen, Steifigkeit und eine eingeschränkte Hüftbeweglichkeit. Betroffen sind eher Menschen mittleren und höheren Alters. Regelmässige, angepasste Bewegung kann Schmerzen lindern und die Funktion verbessern.[5,6]

Erste Hilfe und Behandlung

Bei unkomplizierten Überlastungsbeschwerden ist es meist sinnvoller, die Belastung vorübergehend zu reduzieren und anschliessend gezielt aufzubauen, als vollständig auf Bewegung zu verzichten. Zuerst sollten jedoch ernsthafte Ursachen ausgeschlossen werden.

Sofortmassnahmen bei akuten Hüftschmerzen

Unterbrechen Sie Bewegungen, die die Beschwerden deutlich verstärken. Leichtes Gehen oder lockeres Radfahren kann möglich sein, sofern es gut vertragen wird. Kühlen oder Wärme können kurzfristig als angenehm empfunden werden. Beobachten Sie, ob die Schmerzen nach dem Training zunehmen oder am Folgetag stärker sind.[7]

Ärztlich dringend abklären lassen sollten Sie starke plötzlich einsetzende Schmerzen, Fieber mit einer heissen oder geschwollenen Hüfte sowie die Unfähigkeit, das Bein zu belasten. Zunehmende tiefe Leistenschmerzen beim Laufen können auf eine Stressfraktur hinweisen. In diesem Fall sollten Sie die sportliche Belastung bis zur Abklärung einstellen.[2,7]

Physiotherapie: die Ursache gezielt behandeln

In der Sportphysiotherapie werden Beweglichkeit, Kraft, Gangbild und Trainingsgewohnheiten untersucht. Daraus entsteht ein Übungsprogramm, dessen Belastung sich an den Beschwerden und sportlichen Anforderungen orientiert. Bei seitlichen Hüftsehnenbeschwerden kann ein solches Training, kombiniert mit Beratung zur Belastungssteuerung, Schmerzen lindern und die Funktion verbessern.[8]

Physiotherapeut untersucht die Hüftbeweglichkeit einer Patientin durch Beugen des angewinkelten Beins.
Eine Patientin liegt auf einer Behandlungsliege, während ein Physiotherapeut ihr angewinkeltes Bein an Knie und Unterschenkel führt. Die Aufnahme zeigt eine Untersuchung der Hüftbeweglichkeit.

Manuelle Techniken können ergänzend eingesetzt werden. Für Dry Needling, Faszientechniken oder Kinesio-Taping lässt sich dagegen kein allgemeiner Nutzen bei allen Ursachen von Hüftschmerzen ableiten. Sie ersetzen deshalb kein gezieltes Training.

Kraftaufbau mit medizinischer Trainingstherapie (MTT)

Die medizinische Trainingstherapie (MTT) ermöglicht den systematischen Aufbau von Kraft und Belastbarkeit. Je nach Befund werden Gesäss-, Hüft- und Rumpfmuskulatur trainiert und die Übungen allmählich anspruchsvoller. Das hilft, den Wiedereinstieg vorzubereiten, aber eine rückfallfreie Rückkehr lässt sich damit nicht garantieren.[5,8]

Übungen und Rückkehr zum Sport

Bei leichten Beschwerden ohne Warnzeichen können einfache Übungen ein Einstieg sein. Sie sollten nicht deutlich schmerzen und am Folgetag keine Verschlechterung auslösen. Bei unklaren oder starken Beschwerden ist zuerst eine Abklärung nötig.

Übungen gegen Hüftschmerzen zum Nachmachen

  • Beckenheben: In Rückenlage die Knie anwinkeln, Füsse aufstellen und das Becken langsam heben und senken. 2 × 8–12 Wiederholungen.
  • Vierfüsslerstand: Abwechselnd einen Arm und das gegenüberliegende Bein kontrolliert ausstrecken, ohne den Rücken zu verdrehen. 2 × 6–8 Wiederholungen pro Seite.
  • Hüftbeuger dehnen: Im kurzen Ausfallschritt das Becken leicht nach vorne schieben, bis eine sanfte Dehnung vorne an der Hüfte entsteht. Je Seite 2 × 20 Sekunden; bei Leistenschmerzen auslassen.

Zurück zum Sport: Belastung langsam steigern

Beginnen Sie mit kürzeren Trainingseinheiten und erhöhen Sie Umfang und Intensität schrittweise. Wärmen Sie sich auf und achten Sie beim Laufen auf passende Schuhe. Wie die Hüfte während und nach dem Training reagiert, ist wichtiger als ein starrer Zeitplan. Für die Rückkehr zum Sport sind ausserdem Muskelkraft, Bewegungsqualität und die Anforderungen Ihrer Sportart relevant.[9]

Fazit: Hüftschmerzen beim Sport aktiv behandeln statt aussitzen

Hüftschmerzen haben unterschiedliche Ursachen. Halten die Beschwerden an, hilft eine gezielte Untersuchung, Überlastungen von behandlungsbedürftigen Verletzungen zu unterscheiden. Häufig ist ein dosierter Trainingsaufbau sinnvoll. Bei Fragen können Sie gerne mit dem Team von PhysioWelt in Schlieren Kontakt aufnehmen oder direkt einen Termin für Sportphysiotherapie buchen.

Häufige Fragen zu Hüftschmerzen beim Sport (FAQ)

Was tun bei Hüftschmerzen nach dem Sport?

Reduzieren Sie schmerzauslösende Belastungen und beobachten Sie die Beschwerden. Starke, zunehmende oder wiederkehrende Schmerzen sollten fachlich untersucht werden.[7]

Kann ich mit Hüftschmerzen weiter joggen?

Bei leichten, rasch nachlassenden Beschwerden ist angepasstes Training manchmal möglich. Bei Hinken, stechenden oder zunehmenden Schmerzen sollten Sie pausieren und die Ursache abklären lassen.[2,7]

Wie lange dauern Hüftschmerzen nach Überlastung?

Das lässt sich ohne Diagnose nicht zuverlässig vorhersagen. Leichte Muskelbeschwerden können rasch abklingen, Sehnenprobleme erfordern unter Umständen mehrere Wochen oder Monate.

Welche Übungen helfen bei Hüftschmerzen?

Häufig eignen sich Kräftigungsübungen für Gesäss- und Rumpfmuskulatur. Welche Bewegungen verträglich sind, hängt von der Ursache ab. Beispiele finden Sie im Übungsteil.

Ab wann sollte ich mit Hüftschmerzen zum Arzt?

Sofort bei fehlender Belastbarkeit, starken plötzlich auftretenden Schmerzen oder Fieber mit geschwollener, heisser Hüfte. Auch Ruheschmerzen, nächtliche Beschwerden oder Schmerzen ohne Besserung nach etwa zwei Wochen sollten abgeklärt werden.[7]

Quellen

[1] Weir A, Brukner P, Delahunt E, Ekstrand J, Griffin D, Khan KM, et al. Doha agreement meeting on terminology and definitions in groin pain in athletes. Br J Sports Med. 2015;49(12):768–774. doi:10.1136/bjsports-2015-094869.

[2] Robertson GA, Wood AM. Femoral Neck Stress Fractures in Sport: A Current Concepts Review. Sports Med Int Open. 2017;1(2)–E68. doi:10.1055/s-0043-103946.

[3] Pianka MA, Serino J, DeFroda SF, Bodendorfer BM. Greater trochanteric pain syndrome: Evaluation and management of a wide spectrum of pathology. SAGE Open Med. 2021;9:20503121211022582. doi:10.1177/20503121211022582.

[4] Griffin DR, Dickenson EJ, O'Donnell J, Agricola R, Awan T, Beck M, et al. The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement. Br J Sports Med. 2016;50(19):1169–1176. doi:10.1136/bjsports-2016-096743.

[5] Moseng T, Vliet Vlieland TPM, Battista S, Beckwée D, Boyadzhieva V, Conaghan PG, et al. EULAR recommendations for the non-pharmacological core management of hip and knee osteoarthritis: 2023 update. Ann Rheum Dis. 2024;83(6):730–740. doi:10.1136/ard-2023-225041.

[6] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Hüftarthrose (Coxarthrose) [Internet]. Köln: IQWiG.

[7] National Health Service. Hip pain in adults [Internet]. NHS

[8] Kjeldsen T, Hvidt KJ, Bohn MB, Mygind-Klavsen B, Lind M, Semciw AI, et al. Exercise compared to a control condition or other conservative treatment options in patients with Greater Trochanteric Pain Syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Physiotherapy. 2024;123:69–80. doi:10.1016/j.physio.2024.01.001.

[9] Ardern CL, Glasgow P, Schneiders A, Witvrouw E, Clarsen B, Cools A, et al. 2016 Consensus statement on return to sport from the First World Congress in Sports Physical Therapy, Bern. Br J Sports Med. 2016;50(14):853–864. doi:10.1136/bjsports-2016-096278.

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