Hüftimpingement (FAI): Was steckt dahinter?
Bei einem Hüftimpingement können bestimmte Bewegungen Schmerzen auslösen. Lesen Sie, welche Ursachen dahinterstecken und was im Alltag helfen kann.

Beim Einsteigen ins Auto zieht es in der Leiste, nach längerem Sitzen schmerzt die Hüfte oder beim Sport fühlt sich eine Drehbewegung plötzlich unangenehm an. Solche Beschwerden können auf ein Hüftimpingement hinweisen, besonders bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen. Wichtig ist eine sorgfältige Abklärung, denn häufig lassen sich die Symptome mit gezielter Physiotherapie und einer angepassten Belastung lindern.
Was ist ein Hüftimpingement (FAI)?
FAI steht für femoroacetabuläres Impingement. Der Begriff beschreibt ein vorzeitiges Anstossen zwischen Oberschenkelknochen und Hüftpfanne (Acetabulum), vor allem beim Beugen und Einwärtsdrehen der Hüfte. Ursache können bestimmte Formen des Hüftkopfs, des Schenkelhalses oder der Pfanne sein. Wiederholter Kontakt kann die Gelenklippe (Labrum) und den Gelenkknorpel belasten.
Eine auffällige Knochenform bedeutet allerdings noch keine Erkrankung. Erst wenn passende Beschwerden, klinische Befunde und Veränderungen in der Bildgebung zusammenkommen, spricht man vom FAI-Syndrom.[1] Auch andere Beschwerden im Hüftbereich können ähnliche Schmerzen verursachen.
Cam-Impingement: Verdickung am Schenkelhals
Beim Cam-Typ ist der Übergang zwischen Hüftkopf und Schenkelhals weniger stark eingeschnürt als üblich. Die dadurch weniger runde Kontur kann bei starker Beugung gegen den Pfannenrand drücken und den Knorpel beanspruchen. Diese Form wird häufiger bei jungen Männern beobachtet, die intensiv Sport treiben.[2]
Pincer-Impingement: Wenn die Hüftpfanne zu tief ist
Beim Pincer-Typ überdeckt die Hüftpfanne den Hüftkopf stellenweise oder insgesamt stärker. Dadurch kann ihr Rand bei bestimmten Bewegungen früher am Schenkelhals anstossen. Besonders die Gelenklippe kann dabei unter Druck geraten.[1]
Mischform: Cam und Pincer gemeinsam
Häufig liegen beide Formvarianten gleichzeitig vor. Wie ausgeprägt die Beschwerden sind, lässt sich daraus allein nicht ableiten, denn auch Menschen mit deutlich erkennbaren Veränderungen im Röntgenbild können beschwerdefrei sein.[1]
Wie entsteht ein Hüftimpingement?
Die Knochenform hängt unter anderem mit der Entwicklung des Hüftgelenks zusammen. Vor allem für die Cam-Form gibt es Hinweise, dass intensives Training während der Wachstumsphase ihre Entstehung begünstigen kann. Untersucht wurde dies etwa bei Jugendlichen, die Fussball oder Eishockey spielen.[2]
Auch eine anatomische Veranlagung und die individuelle Gelenkbeweglichkeit können eine Rolle spielen. Bei Sportarten mit ausgeprägter Hüftbeweglichkeit, etwa Ballett, können bestimmte Positionen Beschwerden auslösen. Eine grosse Beweglichkeit oder eine knöcherne Abweichung allein beweist jedoch kein FAI-Syndrom.[1]
Typische Symptome: Leiste, Sitzen, Drehbewegungen
Typisch sind tief sitzende Schmerzen in der Leiste. Sie treten häufig beim Sport, nach längerem Sitzen, beim Treppensteigen oder beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto auf. Besonders das Beugen und Einwärtsdrehen der Hüfte kann Beschwerden hervorrufen. Manche Betroffene beschreiben ein Einklemmgefühl, Schnappen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit. Andere umfassen die schmerzende Hüfte mit Daumen und Fingern in Form eines «C», das sogenannte C-Zeichen.[1]
Schmerzen in der Leiste haben allerdings verschiedene Ursachen, etwa Probleme an Sehnen oder im unteren Rücken. Lassen Sie anhaltende Beschwerden ärztlich untersuchen. Neu auftretende starke Ruhe- oder Nachtschmerzen sollten zeitnah abgeklärt werden. Bei Fieber, Schmerzen nach einem Unfall oder wenn Sie das Bein kaum belasten können, ist eine rasche medizinische Beurteilung nötig.
Was der Impingement-Test verrät
Bei der Untersuchung werden Beweglichkeit, Kraft und schmerzauslösende Positionen geprüft. Beim FADIR-Test führt die untersuchende Person die Hüfte in Beugung, zur Körpermitte und nach innen. Löst dies den bekannten Schmerz aus, gilt der Test als positiv. Er ist jedoch kein Beweis für ein FAI-Syndrom, denn auch andere Hüftprobleme können dieselbe Reaktion auslösen.[1,3]

Röntgenaufnahmen zeigen die Knochenform und mögliche andere Veränderungen. Bei Bedarf lassen sich mit einem MRT das Labrum und der Gelenkknorpel genauer beurteilen. In ausgewählten Fällen ist dafür ein Arthro-MRT mit Kontrastmittel sinnvoll. Die Diagnose ergibt sich stets aus dem Zusammenspiel von Beschwerden, Untersuchung und Bildgebung.[1]
Warum die konservative Behandlung meist zuerst kommt
Bei vielen Betroffenen ist ein konservativer Behandlungsversuch sinnvoll. Dabei werden schmerzauslösende Belastungen vorübergehend angepasst und die Hüftmuskulatur systematisch trainiert. Ziel ist, den Alltag und sportliche Aktivitäten wieder besser bewältigen zu können. Ärztlich können bei Bedarf entzündungshemmende Medikamente oder eine Injektion in das Hüftgelenk erwogen werden; deren Nutzen ist individuell und bei Kortisoninjektionen oft nur vorübergehend.[4]
Physiotherapie bei Hüftimpingement
Am Anfang steht eine funktionelle Untersuchung: Welche Bewegungen schmerzen, welche Muskeln sind geschwächt, und wie verhält sich die Hüfte beim Gehen oder bei einer Kniebeuge? Darauf aufbauend umfasst die Therapie insbesondere die Kräftigung der Gesäss- und Rumpfmuskulatur sowie das Üben kontrollierter Bewegungen.[3]
Je nach Befund können manuelle Therapie oder vorsichtige Dehnübungen für verkürzte Muskeln, etwa die Hüftbeuger, ergänzen. Eine schmerzhafte Einklemmposition sollte dabei nicht erzwungen werden. Für einen schrittweisen Kraftaufbau lässt sich auch die Medizinische Trainingstherapie (MTT) einsetzen. Solche kombinierten Programme werden oft in physiotherapeutischen Leitlinien empfohlen.[3]
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Bleiben die Einschränkungen trotz ausreichend durchgeführter konservativer Therapie bestehen, kann eine Hüftarthroskopie infrage kommen. Dabei können störende Knochenanteile abgetragen und Schäden an der Gelenklippe behandelt werden. Die Entscheidung hängt unter anderem vom Beschwerdeverlauf, den Bildbefunden und den persönlichen Zielen ab.
In einer randomisierten Studie verbesserten sich die Beschwerden sowohl nach einer Arthroskopie als auch unter angeleiteter konservativer Behandlung. Nach zwölf Monaten war die durchschnittliche Verbesserung in der operierten Gruppe grösser.[5] Eine Operation garantiert jedoch keine Beschwerdefreiheit und erfordert anschliessend Rehabilitation.
Hüftimpingement im Alltag
Beim Sitzen kann ein etwas höherer Stuhl helfen, damit die Hüfte weniger stark gebeugt ist. Wechseln Sie regelmässig die Position, statt lange unbeweglich sitzen zu bleiben. Zum Schlafen sind Rückenlage oder Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Knien einen Versuch wert, sofern Sie sich damit wohlfühlen.
Bewegung bleibt sinnvoll. Velofahren mit ausreichend hoch eingestelltem Sattel, Crawl-Schwimmen oder Wandern sind oft besser verträglich als tiefe Kniebeugen und Sportarten mit abrupten Drehbewegungen, etwa Eishockey. Wichtig ist Ihre persönliche Schmerzreaktion. Die Belastung sollte angepasst, aber nicht unnötig vollständig eingestellt werden.[3,4]
Fazit: Hüftimpingement früh erkennen und gezielt behandeln
Ein Hüftimpingement ist bei aktiven Menschen eine mögliche Ursache für Leistenschmerzen. Eine frühzeitige Abklärung hilft, die Beschwerden zu verstehen, aber eine Garantie, damit Knorpelschäden zu verhindern, gibt es nicht. Gezielte Physiotherapie kann die Belastbarkeit verbessern. Bei Fragen können Sie PhysioWelt kontaktieren oder einen direkt einen Termin in Schlieren buchen.
Häufige Fragen zum Hüftimpingement (FAQ)
Kann ein Hüftimpingement wieder verschwinden?
Die Knochenform bleibt bestehen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können sich jedoch durch Training und Belastungsanpassung deutlich bessern.[3,4]
Was tun bei Impingement der Hüfte?
Reduzieren Sie zunächst stark schmerzauslösende Bewegungen, bleiben Sie möglichst aktiv und lassen Sie wiederkehrende Beschwerden abklären. Eine angeleitete Physiotherapie kann helfen, die Hüfte schrittweise belastbarer zu machen.[3]
Welche Sportarten eignen sich bei Hüftimpingement?
Häufig sind Schwimmen, Velofahren oder Wandern gut möglich. Vermeiden Sie vorübergehend tiefe Beugepositionen und abrupte Richtungswechsel, wenn diese Ihre Beschwerden verstärken.[3]
Führt ein Hüftimpingement zu Arthrose?
Nicht zwangsläufig. Bestimmte Cam-Formen sind mit einem erhöhten Arthroserisiko verbunden.[6] Ob Physiotherapie oder eine Operation die spätere Entstehung von Arthrose verhindern kann, ist bisher nicht sicher belegt.[7] Bei fortgeschrittener Arthrose kann in manchen Fällen eine Hüft-TEP nötig werden.
Wie lange dauert die Physiotherapie bei Hüftimpingement?
Erste Verbesserungen sind nach einigen Wochen möglich. Ein systematisches Übungsprogramm erstreckt sich häufig über etwa drei Monate oder länger. Die Dauer richtet sich nach dem Verlauf.[4]
Quellen
[1] Griffin DR, Dickenson EJ, O'Donnell J, Agricola R, Awan T, Beck M, et al. The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement. Br J Sports Med. 2016;50(19):1169–1176. doi:10.1136/bjsports-2016-096743.
[2] Pettit M, Doran C, Singh Y, Saito M, Sunil Kumar KH, Khanduja V. How does the cam morphology develop in athletes? A systematic review and meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage. 2021;29(8):1117–1129. doi:10.1016/j.joca.2021.02.572.
[3] Enseki KR, Bloom NJ, Harris-Hayes M, Cibulka MT, Disantis A, Di Stasi S, et al. Hip Pain and Movement Dysfunction Associated With Nonarthritic Hip Joint Pain: A Revision. J Orthop Sports Phys Ther. 2023;53(7)–CPG70. doi:10.2519/jospt.2023.0302.
[4] Pasculli RM, Callahan EA, Wu J, Edralin N, Berrigan WA. Non-operative Management and Outcomes of Femoroacetabular Impingement Syndrome. Curr Rev Musculoskelet Med. 2023;16(11):501–513. doi:10.1007/s12178-023-09863-x.
[5] Griffin DR, Dickenson EJ, Wall PDH, Achana F, Donovan JL, Griffin J, et al. Hip arthroscopy versus best conservative care for the treatment of femoroacetabular impingement syndrome (UK FASHIoN): a multicentre randomised controlled trial. Lancet. 2018;391(10136):2225–2235. doi:10.1016/S0140-6736(18)31202-9.
[6] Agricola R, Heijboer MP, Bierma-Zeinstra SMA, Verhaar JAN, Weinans H, Waarsing JH. Cam impingement causes osteoarthritis of the hip: a nationwide prospective cohort study (CHECK). Ann Rheum Dis. 2013;72(6):918–923. doi:10.1136/annrheumdis-2012-201643.
[7] Palmer A, Fernquest S, Rombach I, Harin A, Mansour R, Dutton S, et al. Medium-term results of arthroscopic hip surgery compared with physiotherapy and activity modification for the treatment of femoroacetabular impingement syndrome: a multi-centre randomised controlled trial. Br J Sports Med. 2025;59(2):109–117. doi:10.1136/bjsports-2023-107712. Correction: Br J Sports Med. 2025;59(15). doi:10.1136/bjsports-2023-107712corr1.

